Südafrika ist ein souveräner Staat an der Südspitze des afrikanischen Kontinents – also ja, ein vollständig anerkanntes Land mit eigener Regierung, Verfassung und 11 offiziellen Landessprachen. Wer sich für Afrikaans interessiert, kommt an Südafrika nicht vorbei: Die Sprache entstand hier, wird hier gesprochen und ist untrennbar mit der Geschichte des Landes verbunden.
Geografie: Lage, Fläche, Grenzen
Die Republik Südafrika grenzt im Norden an Namibia, Botswana und Simbabwe, im Nordosten an Mosambik und Eswatini (früher Swasiland). Im Südosten des Landes liegt die vollständig von Südafrika umschlossene Enklave Lesotho. Im Westen grenzt das Land an den Atlantik, im Süden und Südosten an den Indischen Ozean – insgesamt rund 3.000 Kilometer Küstenlinie.
Mit einer Fläche von etwa 1,22 Millionen km² ist Südafrika rund 3,4-mal so groß wie Deutschland. Die Bevölkerung beträgt aktuell rund 62 Millionen Menschen (Stand 2024), verteilt auf neun Provinzen. Die bevölkerungsreichste Stadt ist Johannesburg, der offizielle Regierungssitz ist Pretoria.
Bevölkerung und das „Regenbogenland“
Südafrika gilt als eines der ethnisch vielfältigsten Länder der Welt – daher der Beiname „Regenbogenland“. Besiedelt wurde das Gebiet vor rund 20.000 Jahren von den San und Khoikhoi. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts kamen niederländische, britische, französische und deutsche Einwanderer hinzu und prägten Kultur und Sprache des Landes nachhaltig. Deren Nachfahren – die sogenannten Buren oder Afrikaner – stellen heute rund 10 % der Bevölkerung. Der größte Anteil (ca. 78 %) entfällt auf die schwarzafrikanische Bevölkerung, dazu kommen rund 9 % Coloureds und 3 % Südafrikaner indischer Herkunft.
Religiös ist das Land plural: Rund 80 % der Bevölkerung sind christlich, daneben existieren Islam, Hinduismus, Judentum und traditionelle afrikanische Glaubensrichtungen.
Die 11 Amtssprachen – und die Rolle von Afrikaans
Südafrika verfolgt eine multikulturelle Sprachenpolitik. Offiziell anerkannt sind 11 Landessprachen, darunter isiZulu, isiXhosa und Afrikaans. Afrikaans belegt Platz 3 der meistgesprochenen Muttersprachen und wird von rund 13,5 % der Bevölkerung als Erstsprache gesprochen. Die führende Verkehrssprache des Landes ist Englisch, obwohl alle elf Sprachen formal gleichgestellt sind.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Deutschsprachige überrascht sind, wie nah Afrikaans dem Deutschen strukturell steht – das hat historische Gründe: Die Sprache entwickelte sich aus dem Niederländischen des 17. und 18. Jahrhunderts, beeinflusst von deutschen und anderen europäischen Einwanderern sowie von Malaiisch und den Khoisan-Sprachen. Wer mehr über die Sprachgeschichte wissen will, findet das auf der Seite Über die Sprache Afrikaans – und wer wissen will, welche Sprachen wo gesprochen werden: Welche Sprache spricht man in Südafrika?
Südafrika verstehen heißt: Afrikaans zumindest ein bisschen kennen.
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Apartheid und die Geburt der Demokratie
Die wohl bedeutendste und schmerzhafteste Periode der südafrikanischen Geschichte ist die Ära der Apartheid – einem staatlich organisierten Rassentrennungssystem, das von 1948 bis 1994 in Kraft war. Das System beschnitt die Rechte der schwarzen Bevölkerungsmehrheit fundamental: Unterdrückung, Zwangsumsiedlung und Diskriminierung waren gesetzlich verankert.
Den entscheidenden Wendepunkt brachte der kontinuierliche Widerstand des ANC (African National Congress) und die weltweite Isolation des Apartheid-Regimes. 1994 wurde Nelson Mandela als erster demokratisch gewählter Präsident der Republik Südafrika vereidigt. Mandela richtete 1996 eine Wahrheits- und Versöhnungskommission ein, die heute weltweit als Modell der Aufarbeitung historischer Verbrechen gilt.
Die Folgen der Apartheid sind bis heute spürbar: soziale Ungleichheit, ungleiche Vermögensverteilung – und ein gespaltenes Verhältnis zur Afrikaans-Sprache selbst, die von Teilen der Bevölkerung als Sprache der Unterdrücker wahrgenommen wird.
Einzigartiges Naturerbe
Das Landschaftsbild Südafrikas ist außergewöhnlich vielfältig: ausgedehnte Hochflächen im Inneren, die Bergketten der Drakensberge, Wüstenlandschaften wie die Kalahari, Feuchtgebiete, fruchtbare Täler und Regenwälder. Diese Vielfalt macht Südafrika zu einem der artenreichsten Länder der Welt – Platz 3 weltweit. Rund 300 Säugetierarten, mehrere Hundert Vogelarten und über 20.000 Pflanzenarten sind hier heimisch.
Das bekannteste Schutzgebiet ist der Kruger-Nationalpark mit rund 20.000 km² Fläche. Hier lassen sich die „Big Five“ in freier Wildbahn beobachten: Löwe, Elefant, Büffel, Leopard und Nashorn.
Südafrika und Afrikaans: Warum das Land die Sprache prägt
Wer Afrikaans lernt, lernt unweigerlich auch etwas über Südafrika. Die Sprache trägt die Geschichte des Landes in sich – von der niederländischen Kolonialzeit über die Burenrepubliken bis zur Apartheid und dem demokratischen Südafrika von heute. Aus meiner Sicht als jemand, der sich intensiv mit germanischen Sprachen beschäftigt, ist genau das der faszinierendste Aspekt: Afrikaans ist keine isolierte Sprachkuriosität, sondern ein lebendiges Stück Weltgeschichte.
Wer tiefer einsteigen will – in die Sprache selbst, ihre Grammatik und den besten Weg zum Lernen – findet auf Afrikaans-lernen.de alle nötigen Ressourcen. Und wer gezielt mit einer App lernen möchte, findet hier einen Überblick: Afrikaans lernen mit einer App.
Mein Buch zum Thema: Afrikaans Grundwortschatz
Für dieses Buch habe ich die 3.000 wichtigsten Afrikaans-Wörter zusammengestellt und jeweils auf Deutsch, Afrikaans und Englisch nebeneinandergestellt. Das Prinzip dahinter: Wer die Ähnlichkeiten zwischen den germanischen Sprachen sieht, lernt schneller – weil das Gehirn neue Wörter an bekannte ankoppeln kann. Thematisch sortiert, ohne Vorkenntnisse nutzbar.
Autorin & Sprachenthusiastin
Line beschäftigt sich seit Jahren mit germanischen Sprachen und ihrer Verwandtschaft untereinander – Afrikaans, Niederländisch, Norwegisch. Sie ist Autorin der Grundwortschatz-Reihe für Afrikaans, Niederländisch und Französisch. Mehr über sie: zur Über-mich-Seite.