Afrikaans Sprache – Herkunft, Verbreitung & Fakten

Dieser Artikel wurde zuletzt im August 2026 aktualisiert & geprüft.
Kapstadt mit Tafelberg, Heimat der Afrikaans Sprache in Südafrika
Mit KI erstellt (Midjourney)

Die Afrikaans Sprache ist eine der elf Amtssprachen Südafrikas und zugleich eine der linguistisch faszinierendsten Sprachen, die vom Deutschen aus direkt zugänglich sind. Wer Deutsch spricht, versteht beim ersten Hören erstaunlich viel. Die Wurzeln liegen im Niederländischen des 17. Jahrhunderts, die Grammatik wurde radikal vereinfacht, und trotzdem ist Afrikaans heute eine vollständig eigenständige Sprache mit eigener Literatur, eigener Presse und eigener Identität.

Als ich mich für mein Buch Afrikaans Grundwortschatz intensiv mit der Afrikaans Sprache beschäftigt habe, wurde mir schnell klar: Afrikaans ist kein Dialekt und kein vereinfachtes Niederländisch. Es ist eine Sprache, die unter besonderen historischen Bedingungen entstanden ist und die heute von rund 7 Millionen Muttersprachlern gesprochen wird.

Dieser Artikel erklärt, woher Afrikaans kommt, wo es gesprochen wird und was es von anderen germanischen Sprachen unterscheidet. Und er zeigt dir, warum es für Deutschsprachige eine der zugänglichsten Fremdsprachen überhaupt ist.

Kurz erklärt: Was ist die Afrikaans Sprache?

Die Afrikaans Sprache ist eine westgermanische Sprache, die sich ab dem 17. Jahrhundert aus dem Niederländischen am Kap der Guten Hoffnung entwickelt hat. Heute sprechen sie rund 7 Millionen Menschen als Muttersprache, vor allem in Südafrika und Namibia. Weil sie mit Deutsch verwandt ist und eine stark vereinfachte Grammatik hat, gilt sie für Deutschsprachige als eine der am leichtesten verständlichen Fremdsprachen.

📌 Afrikaans Sprache auf einen Blick
  • Ursprung: Weiterentwicklung des Niederländischen, ab dem 17. Jahrhundert am Kap
  • Sprachfamilie: Westgermanisch, verwandt mit Deutsch, Niederländisch, Englisch
  • Muttersprachler: ca. 7 Millionen (Südafrika, Namibia)
  • Amtssprache in: Südafrika (eine von 11), anerkannte Minderheitensprache in Namibia
  • Besonderheit: Stark vereinfachte Grammatik, kein Genus, nur eine Vergangenheitsform
  • Für Deutschsprachige: Hohe passive Verständlichkeit, viele Wörter sofort erkennbar

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Die Afrikaans Sprache: Ursprung und Sprachgeschichte

Afrikaans ist die Sprache der Buren, also der Nachfahren niederländischer, deutscher und französischer Siedler, die ab 1652 am Kap der Guten Hoffnung siedelten. Die Niederländische Ostindien-Kompanie (VOC) gründete Kapstadt in jenem Jahr als Versorgungsstation auf dem Seeweg nach Indien. Mit den ersten Siedlern kam das Niederländische des 17. Jahrhunderts ans Kap und begann dort sofort, sich zu verändern.

In den folgenden Jahrzehnten ließen sich immer mehr Holländer als sogenannte Trekburen (Zugbauern) im Umland von Kapstadt nieder. Durch den Kontakt mit den Khoikhoi, einem Hirtenvolk der Region, und später mit malaiischen Sklaven sowie deutschen und französischen Zuwanderern begann ein linguistischer Prozess, den die Sprachwissenschaft als Flexionsabbau bezeichnet: Grammatische Formen wurden vereinfacht, um die Verständigung zwischen verschiedenen Sprachgruppen zu erleichtern.

Das Ergebnis war eine Sprache, die einfacher zu erlernen war als das Niederländische, aber trotzdem ausdrucksstark genug für Literatur und Verwaltung.

Ursprung der Afrikaans Sprache am Kap der Guten Hoffnung in Südafrika

Von der Umgangssprache zur Amtssprache

Lange galt Afrikaans nur als niederländischer Dialekt, als „Kombuistaal“ (Küchensprache), die in der Gesellschaft kein Ansehen genoss. Das änderte sich ab den 1870er Jahren, als das Genootskap van Regte Afrikaners (Gesellschaft echter Afrikaner) begann, Wörterbücher und Grammatiken in Afrikaans herauszugeben und eine eigene Literatur zu etablieren.

Ab 1806 stand Afrikaans unter britischer Verwaltung in direkter sprachlicher Konkurrenz zum Englischen. Da Englisch die Sprache der Verwaltung und der Bildung war, genoss es deutlich höheres Prestige. Diese Konkurrenz führte dazu, dass zunehmend englische Lehnwörter ins Afrikaans aufgenommen wurden, ein Prozess, der bis heute anhält.

Am 5. Mai 1925 wurde Niederländisch als Staatssprache Südafrikas abgeschafft und Afrikaans neben Englisch zur offiziellen Amtssprache erklärt. Damit war die Sprache der Bauern zur Staatssprache geworden.

Nach dem Ende der Apartheid 1994 erhielt Südafrika eine neue Verfassung mit elf offiziellen Amtssprachen. Afrikaans behielt seinen Status, verlor aber die dominante Stellung, die es unter dem Apartheid-Regime gehabt hatte. Für eine detaillierte sprachwissenschaftliche Einordnung ist die entsprechende Seite des Ethnologue-Sprachverzeichnisses zu empfehlen, der maßgeblichen Referenz für Sprachdaten weltweit.

Sprache der Buren: Woher der Name Afrikaans kommt

Wenn von der „Sprache der Buren“ die Rede ist, ist damit fast immer Afrikaans gemeint. Die Buren (auf Afrikaans Boere, von niederländisch boer für „Bauer“) waren die überwiegend niederländischstämmigen Siedler und Farmer am Kap. Ihre Umgangssprache entwickelte sich über Generationen vom Kolonial-Niederländischen weg zu einer eigenen Sprache, die ab 1925 offiziell Afrikaans hieß.

Der Name selbst ist schlicht: Afrikaans bedeutet auf Niederländisch „afrikanisch“. Die Sprache heißt also so, weil sie die auf afrikanischem Boden entstandene Variante des Niederländischen ist. Mit den indigenen afrikanischen Sprachen wie Zulu oder Xhosa ist sie sprachlich nicht verwandt, sie bleibt eine germanische Sprache.

Übrigens, falls du gerade an einem Kreuzworträtsel sitzt: Die „Sprache der Buren in Südafrika“ mit neun Buchstaben ist AFRIKAANS.

Wo wird die Afrikaans Sprache gesprochen?

Die Afrikaans Sprache wird heute von rund 7 Millionen Muttersprachlern gesprochen, das entspricht etwa 13,5 % der südafrikanischen Bevölkerung. Hinzu kommen weitere rund 7 Millionen Zweit- und Drittsprachler sowie bis zu 16 Millionen Menschen mit Grundkenntnissen.

Geografisch konzentriert sich der Afrikaans-Sprachraum auf die westlichen Provinzen Südafrikas:

  • Westkap (Kapstadt und Umgebung): höchste Konzentration von Muttersprachlern
  • Nordkap: weitgehend afrikaansdominiert
  • Ostkap: bedeutende Minderheit
  • Gauteng (Johannesburg, Pretoria): urbane Afrikaans-Sprechergemeinschaft

Außerhalb Südafrikas ist Namibia das wichtigste Gebiet, in dem die Afrikaans Sprache gesprochen wird. Dort sprechen rund 200.000 Menschen Afrikaans als Muttersprache, etwa 11 % der Bevölkerung. Wichtiger noch: In Namibia dient Afrikaans als Lingua franca, also als überethnische Verkehrssprache zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen.

Kleinere Afrikaans-sprechende Gemeinschaften finden sich außerdem in Botswana, Simbabwe und Sambia, den Nachfolgestaaten des historischen Siedlungsgebiets der Buren. Wer sich für den größeren Zusammenhang interessiert, welche Sprachen in der Region gesprochen werden, findet mehr dazu in meinem Beitrag darüber, welche Sprache man in Südafrika spricht, sowie in meinem Überblick über Südafrika als Land.

Kapstadt als Zentrum des Afrikaans-Sprachraums, wo man Afrikaans spricht

Afrikaans und Niederländisch: die wichtigsten Unterschiede

Als ich mich für den Afrikaans Grundwortschatz mit den Gemeinsamkeiten zwischen Deutsch, Niederländisch und Afrikaans beschäftigt habe, wurde mir ein Muster sehr schnell klar: Die Afrikaans Sprache hat die Komplexität der germanischen Grammatik systematisch reduziert. Nicht zufällig, sondern als Folge ihrer besonderen Entstehungsgeschichte als Kontaktsprache.

Die wichtigsten Unterschiede:

1. Rechtschreibung folgt der Aussprache

Im Niederländischen wird zwischen g und ch unterschieden. Im Afrikaans gibt es nur noch g. Das niederländische nacht (Nacht) wird zu afrikaans nag, das niederländische licht (Licht) zu afrikaans lig. Diese phonetische Vereinfachung macht Afrikaans lautlich transparenter als Niederländisch.

2. Kein grammatisches Geschlecht

Niederländisch unterscheidet de-Wörter (gemeinsames Geschlecht) und het-Wörter (Neutrum). Afrikaans hat das vollständig aufgegeben: Es gibt nur noch den bestimmten Artikel die für alle Substantive und den unbestimmten Artikel ’n. Für Deutschsprachige, die mit drei Genera kämpfen, ist das eine echte Erleichterung.

3. Verbkonjugation: eine Form für alle Personen

Das ist der Punkt, der mich beim Sprachvergleich am meisten beeindruckt hat. Im Deutschen konjugieren wir: ich arbeite, du arbeitest, er arbeitet, wir arbeiten, ihr arbeitet, sie arbeiten. Im Afrikaans lautet die Konjugation des Verbs werk (arbeiten) für alle Personen gleich:

ek werk – ich arbeite
jy werk – du arbeitest
hy/sy werk – er/sie arbeitet
ons werk – wir arbeiten
julle werk – ihr arbeitet
hulle werk – sie arbeiten

Keine Endungen, keine Ausnahmen. Das Verb bleibt immer gleich.

4. Nur eine Vergangenheitsform

Niederländisch und Deutsch haben Präteritum und Perfekt. Afrikaans kennt nur das Perfekt mit dem Hilfsverb het. „Ich arbeitete“ und „Ich habe gearbeitet“ lauten beide ek het gewerk. Das vereinfacht die Grammatik erheblich, auf Kosten einiger Nuancen, die für die Alltagssprache aber kaum relevant sind.

5. Englische Lehnwörter

Durch die jahrhundertelange Koexistenz mit dem Englischen hat Afrikaans eine große Zahl englischer Lehnwörter aufgenommen, besonders in den Bereichen Technik, Wirtschaft und Populärkultur. Das macht modernes Afrikaans für Englischsprachige teilweise leichter zugänglich, kann für Lernende aus dem Deutschen aber gelegentlich verwirrend sein.

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Warum die Afrikaans Sprache für Deutschsprachige zugänglich ist

Aus meiner Arbeit an den Grundwortschatz-Büchern, bei denen jedes Wort auf Deutsch, in der Zielsprache und auf Englisch nebeneinandersteht, habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Afrikaans Sprache für Deutschsprachige eine außergewöhnlich hohe passive Verständlichkeit aufweist. Das liegt an der gemeinsamen westgermanischen Wurzel.

Einige Beispiele, die die Nähe zeigen:

Deutsch → Afrikaans
Wasser → water
Haus → huis
Kind → kind
Buch → boek
sprechen → praat
kommen → kom
gut → goed
schnell → vinnig

Wer die Ausspracheregeln einmal verstanden hat, kann einfache afrikaanse Texte oft direkt lesen, ohne vorherige Vorbereitung. Das ist bei den meisten anderen Fremdsprachen nicht möglich. Wie eng Afrikaans und Deutsch tatsächlich verwandt sind und wo die Ähnlichkeit an ihre Grenzen stößt, schaue ich mir in einem eigenen Beitrag genauer an. Genau diese Nähe zum Deutschen habe ich in meinem Afrikaans Grundwortschatz zum System gemacht, indem jedes Wort dreisprachig nebeneinandersteht und sich Ähnlichkeiten so von selbst einprägen.

Wenn du Afrikaans systematisch lernen möchtest, findest du auf dieser Seite kostenlose Einsteiger-Ressourcen: von den ersten Begrüßungen auf Afrikaans über die wichtigsten Floskeln bis zum Alphabet und der Aussprache.

Afrikaans lernen: erste Schritte

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Häufige Fragen zur Afrikaans Sprache

Woher kommt die Afrikaans Sprache?

Die Afrikaans Sprache entwickelte sich aus dem Niederländischen des 17. Jahrhunderts, das niederländische Siedler ab 1652 ans Kap der Guten Hoffnung brachten. Durch den Kontakt mit Khoikhoi, malaiischen Sklaven sowie deutschen und französischen Einwanderern vereinfachte sich die Sprache grammatisch stark. Am 5. Mai 1925 wurde Afrikaans neben Englisch zur Amtssprache Südafrikas erklärt.

Was ist die Sprache der Buren?

Die Sprache der Buren ist Afrikaans. Die Buren waren die überwiegend niederländischstämmigen Siedler und Farmer am Kap, deren Umgangssprache sich vom Niederländischen weg zu einer eigenen germanischen Sprache entwickelte. Im Kreuzworträtsel lautet die „Sprache der Buren mit neun Buchstaben“ entsprechend AFRIKAANS.

Wo wird die Afrikaans Sprache gesprochen?

Die Afrikaans Sprache wird vor allem in Südafrika gesprochen, mit Schwerpunkt in den Provinzen Westkap, Nordkap und Gauteng. Außerhalb Südafrikas ist Namibia das wichtigste Afrikaans-Sprachgebiet, wo die Sprache auch als Lingua franca dient.

Wie viele Menschen sprechen Afrikaans?

Die Afrikaans Sprache hat rund 7 Millionen Muttersprachler, etwa 13,5 % der südafrikanischen Bevölkerung. Hinzu kommen weitere rund 7 Millionen Zweitsprachler sowie bis zu 16 Millionen Menschen mit Grundkenntnissen.

Ist die Afrikaans Sprache ähnlich wie Deutsch?

Ja. Die Afrikaans Sprache gehört wie Deutsch zur westgermanischen Sprachfamilie und teilt einen großen Grundwortschatz. Die Grammatik ist jedoch deutlich einfacher: kein grammatisches Geschlecht, nur eine Vergangenheitsform, keine Personenkonjugation. Für Deutschsprachige ist sie daher besonders zugänglich.

Line Nygren, Autorin von Afrikaans-lernen.de

Line Nygren
Autorin & Sprachbegeisterte

Moin, ich bin Line Nygren, Autorin der dreisprachigen Grundwortschatz-Reihe für Afrikaans, Niederländisch und Französisch. Die Afrikaans Sprache reizt mich, weil sie als germanische Sprache am Kap überraschend nah an Deutsch und Niederländisch ist. Genau diese Brücken zwischen den Sprachen aufzuzeigen, ist mein didaktischer Kern.

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