Afrikaans Sprache – Herkunft, Verbreitung & Fakten

Dieser Artikel wurde zuletzt im März 2026 aktualisiert & geprüft.

Die Sprache Afrikaans - Alles über Herkunft und Gegenwart

Die Afrikaans Sprache ist eine der elf Amtssprachen Südafrikas – und eine der linguistisch faszinierendsten Sprachen, die aus dem Deutschen direkt zugänglich sind. Wer Deutsch spricht, versteht beim ersten Hören erstaunlich viel: Die Wurzeln liegen im Niederländischen des 17. Jahrhunderts, die Grammatik wurde radikal vereinfacht, und doch ist Afrikaans heute eine vollständig eigenständige Sprache mit eigener Literatur, eigener Presse und eigener Identität.

Als ich mich für mein Buch Afrikaans Grundwortschatz intensiv mit der Afrikaans Sprache beschäftigt habe, wurde mir schnell klar: Afrikaans ist kein Dialekt und kein vereinfachtes Niederländisch. Es ist eine Sprache, die unter besonderen historischen Bedingungen entstanden ist – und die heute von rund 7 Millionen Muttersprachlern gesprochen wird.

Dieser Artikel erklärt, woher Afrikaans kommt, wo es gesprochen wird, was es von anderen germanischen Sprachen unterscheidet – und warum es für Deutschsprachige eine der zugänglichsten Fremdsprachen überhaupt ist.

📌 Afrikaans Sprache auf einen Blick
  • Ursprung: Weiterentwicklung des Niederländischen, ab dem 17. Jahrhundert am Kap
  • Sprachfamilie: Westgermanisch – verwandt mit Deutsch, Niederländisch, Englisch
  • Muttersprachler: ca. 7 Millionen (Südafrika, Namibia)
  • Amtssprache in: Südafrika (eine von 11), anerkannte Minderheitensprache in Namibia
  • Besonderheit: Stark vereinfachte Grammatik – kein Genus, nur eine Vergangenheitsform
  • Für Deutschsprachige: Hohe passive Verständlichkeit – viele Wörter erkennbar ähnlich

Die Afrikaans Sprache – Ursprung und Sprachgeschichte

Afrikaans ist die Sprache der Buren – der Nachfahren niederländischer, deutschen und französischer Siedler, die ab 1652 am Kap der Guten Hoffnung siedelten. Die Niederländische Ostindien-Kompanie (VOC) gründete Kapstadt in jenem Jahr als Versorgungsstation auf dem Seeweg nach Indien. Mit den ersten Siedlern kam das Niederländische des 17. Jahrhunderts ans Kap – und begann dort sofort, sich zu verändern.

In den folgenden Jahrzehnten ließen sich immer mehr Holländer als sogenannte Trekburen (Zugbauern) im Umland von Kapstadt nieder. Durch den Kontakt mit den Khoikhoi – einem Hirtenvolk der Region – und später mit malaiischen Sklaven und deutschen sowie französischen Zuwanderern begann ein linguistischer Prozess, der in der Sprachwissenschaft als Flexionsabbau bezeichnet wird: Grammatische Formen wurden vereinfacht, um die Verständigung zwischen verschiedenen Sprachgruppen zu erleichtern.

Das Ergebnis war eine Sprache, die einfacher zu erlernen war als das Niederländische – aber trotzdem ausdrucksstark genug für Literatur und Verwaltung.

Afrikaans Sprachgeschichte am Kap der Guten Hoffnung – Ursprung der Afrikaans Sprache

Von der Umgangssprache zur Amtssprache

Lange galt Afrikaans nur als niederländischer Dialekt – als „Kombuistaal“ (Küchensprache), die in der Gesellschaft kein Ansehen genoss. Das änderte sich ab den 1870er Jahren, als das Genootskap van Regte Afrikaners (Gesellschaft echter Afrikaner) damit begann, Wörterbücher und Grammatiken in Afrikaans herauszugeben und eine eigene Literatur zu etablieren.

Ab 1806 unter britischer Verwaltung stand Afrikaans in direkter sprachlicher Konkurrenz zum Englischen. Da Englisch die Sprache der Verwaltung und der Bildung war, genoss es deutlich höheres Prestige. Diese Konkurrenz führte dazu, dass zunehmend englische Lehnwörter ins Afrikaans aufgenommen wurden – ein Prozess, der bis heute anhält.

Am 5. Mai 1925 wurde Niederländisch als Staatssprache Südafrikas abgeschafft und Afrikaans neben Englisch zur offiziellen Amtssprache erklärt. Ein Meilenstein: Die Sprache der Bauern war zur Staatssprache geworden.

Nach dem Ende der Apartheid 1994 erhielt Südafrika eine neue Verfassung mit elf offiziellen Amtssprachen – Afrikaans behielt seinen Status, verlor aber die dominante Stellung, die es unter dem Apartheid-Regime gehabt hatte. Für eine detaillierte sprachwissenschaftliche Einordnung empfehle ich die entsprechende Seite des Ethnologue-Sprachverzeichnisses, der maßgeblichen Referenz für Sprachdaten weltweit.

Wo wird die Afrikaans Sprache gesprochen?

Die Afrikaans Sprache wird heute von rund 7 Millionen Muttersprachlern gesprochen – das entspricht etwa 13,5 % der südafrikanischen Bevölkerung. Hinzu kommen weitere 7 Millionen Zweit- und Drittsprachler sowie bis zu 16 Millionen Menschen mit Grundkenntnissen.

Geografisch konzentriert sich der Afrikaans-Sprachraum auf die westlichen Provinzen Südafrikas:

  • Westkap (Kapstadt und Umgebung) – höchste Konzentration von Muttersprachlern
  • Nordkap – weitgehend afrikaans dominiert
  • Ostkap – bedeutende Minderheit
  • Gauteng (Johannesburg, Pretoria) – urbane Afrikaans-Sprechergemeinschaft

Außerhalb Südafrikas ist Namibia das wichtigste Gebiet, in dem die Afrikaans Sprache gesprochen wird. Dort sprechen rund 200.000 Menschen Afrikaans als Muttersprache – ca. 11 % der Bevölkerung. Wichtiger noch: Afrikaans fungiert in Namibia als Lingua franca, als überethnische Verkehrssprache zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen.

Kleinere Afrikaans-sprechende Gemeinschaften finden sich außerdem in Botswana, Simbabwe und Sambia – Nachfolgestaaten des historischen Siedlungsgebiets der Buren.

Kapstadt – Zentrum des Afrikaans Sprachraums in Südafrika

Afrikaans und Niederländisch – die wichtigsten Unterschiede

Als ich mich für den Afrikaans Grundwortschatz mit den Gemeinsamkeiten zwischen Deutsch, Niederländisch und Afrikaans beschäftigt habe, wurde mir ein Muster sehr schnell klar: Die Afrikaans Sprache hat die Komplexität der germanischen Grammatik systematisch reduziert – nicht zufällig, sondern als Folge ihrer besonderen Entstehungsgeschichte als Kontaktsprache.

Die wichtigsten Unterschiede:

1. Rechtschreibung folgt der Aussprache

Im Niederländischen wird zwischen g und ch unterschieden. Im Afrikaans gibt es nur noch g. Das Niederländische nacht (Nacht) wird zu afrikaans nag. Das Niederländische licht (Licht/leicht) wird zu afrikaans lig. Diese phonetische Vereinfachung macht Afrikaans lautlich transparenter als Niederländisch.

2. Kein grammatisches Geschlecht

Niederländisch unterscheidet de-Wörter (gemeinsames Geschlecht) und het-Wörter (Neutrum). Afrikaans hat das vollständig aufgegeben: Es gibt nur noch den bestimmten Artikel die für alle Substantive und den unbestimmten Artikel ’n. Für Deutschsprachige, die mit drei Genera kämpfen, ist das eine echte Erleichterung.

3. Verbkonjugation: Eine Form für alle Personen

Das ist der Punkt, der mich beim Sprachvergleich am meisten beeindruckt hat. Im Deutschen konjugieren wir: ich arbeite, du arbeitest, er arbeitet, wir arbeiten, ihr arbeitet, sie arbeiten. Im Afrikaans lautet die Konjugation des Verbs werk (arbeiten) für alle Personen gleich:

ek werk – ich arbeite
jy werk – du arbeitest
hy/sy werk – er/sie arbeitet
ons werk – wir arbeiten
julle werk – ihr arbeitet
hulle werk – sie arbeiten

Keine Endungen. Keine Ausnahmen. Das Verb bleibt immer gleich.

4. Nur eine Vergangenheitsform

Niederländisch und Deutsch haben Präteritum und Perfekt. Afrikaans kennt nur das Perfekt mit dem Hilfsverb het. „Ich arbeitete“ und „Ich habe gearbeitet“ lauten beide: ek het gewerk. Das vereinfacht die Grammatik erheblich – auf Kosten einiger Nuancen, die für die Alltagssprache aber kaum relevant sind.

5. Englische Lehnwörter

Durch die jahrhundertelange Koexistenz mit dem Englischen hat Afrikaans eine große Zahl englischer Lehnwörter aufgenommen – besonders in den Bereichen Technik, Wirtschaft und Populärkultur. Das macht modernes Afrikaans für Englischsprachige teilweise leichter zugänglich, kann aber für Lernende aus dem Deutschen gelegentlich verwirrend sein.

Warum die Afrikaans Sprache für Deutschsprachige zugänglich ist

Aus meiner Arbeit an den Grundwortschatz-Büchern – bei denen jedes Wort auf Deutsch, in der Zielsprache und auf Englisch nebeneinandersteht – habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Afrikaans Sprache für Deutschsprachige eine außergewöhnlich hohe passive Verständlichkeit aufweist. Das liegt an der gemeinsamen westgermanischen Wurzel.

Einige Beispiele, die die Nähe zeigen:

Deutsch → Afrikaans
Wasser → water
Haus → huis
Kind → kind
Buch → boek
sprechen → praat
kommen → kom
gut → goed
schnell → vinnig

Wer die Ausspracheregeln einmal verstanden hat, kann einfache afrikaanse Texte oft direkt lesen – ohne vorherige Vorbereitung. Das ist bei den meisten anderen Fremdsprachen nicht möglich.

Wenn du Afrikaans systematisch lernen möchtest, findest du auf dieser Seite kostenlose Einsteiger-Ressourcen: von den ersten Begrüßungen auf Afrikaans über die wichtigsten Floskeln bis zum Alphabet und der Aussprache.

Mein Buch zum Thema: Afrikaans Grundwortschatz

Für dieses Buch habe ich die 3.000 wichtigsten Afrikaans-Wörter zusammengestellt und jeweils auf Deutsch, Afrikaans und Englisch nebeneinandergestellt. Das Prinzip dahinter: Wer die Ähnlichkeiten zwischen den germanischen Sprachen sieht, lernt schneller – weil das Gehirn neue Wörter an bekannte ankoppeln kann. Thematisch sortiert, ohne Vorkenntnisse nutzbar.

 

Afrikaans lernen – erste Schritte

Afrikaans ist eine der wenigen Sprachen, bei denen Deutschsprachige vom ersten Tag an echte Lernerfolge erleben. Die vereinfachte Grammatik der Afrikaans Sprache senkt die Einstiegshürde erheblich. Die wichtigsten Ressourcen zum Einstieg:

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Häufige Fragen zur Afrikaans Sprache

Woher kommt die Afrikaans Sprache?

Die Afrikaans Sprache entwickelte sich aus dem Niederländischen des 17. Jahrhunderts, das niederländische Siedler ab 1652 ans Kap der Guten Hoffnung brachten. Durch den Kontakt mit Khoikhoi, malaiischen Sklaven sowie deutschen und französischen Einwanderern vereinfachte sich die Sprache grammatisch stark. Am 5. Mai 1925 wurde Afrikaans neben Englisch zur Amtssprache Südafrikas erklärt.

Wo wird die Afrikaans Sprache gesprochen?

Die Afrikaans Sprache wird vor allem in Südafrika gesprochen – mit Schwerpunkt in den Provinzen Westkap, Nordkap und Gauteng. Außerhalb Südafrikas ist Namibia das wichtigste Afrikaans-Sprachgebiet, wo die Sprache auch als Lingua franca dient.

Wie viele Menschen sprechen Afrikaans?

Die Afrikaans Sprache hat rund 7 Millionen Muttersprachler – etwa 13,5 % der südafrikanischen Bevölkerung. Hinzu kommen weitere 7 Millionen Zweitsprachler sowie bis zu 16 Millionen Menschen mit Grundkenntnissen.

Ist die Afrikaans Sprache ähnlich wie Deutsch?

Ja – die Afrikaans Sprache gehört wie Deutsch zur westgermanischen Sprachfamilie und teilt einen großen Grundwortschatz. Die Grammatik ist jedoch deutlich einfacher: kein grammatisches Geschlecht, nur eine Vergangenheitsform, keine Personenkonjugation. Für Deutschsprachige ist sie daher besonders zugänglich.

Line Nygren – Autorin Afrikaans-lernen.de

Line Nygren
Autorin & Sprachbegeisterte

Line Nygren ist Autorin der Grundwortschatz-Reihe für Afrikaans, Niederländisch und Französisch. Sie beschäftigt sich seit Jahren mit den germanischen Sprachen und ihrer Verwandtschaft – besonders mit der Frage, wie Deutschsprachige neue Sprachen schneller lernen können.

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