Über die Sprache Afrikaans

Bei Afrikaans handelt es sich um eine der elf Amtssprachen, die in Südafrika gesprochen werden. Außerdem wird es in Botswana sowie in Namibia gesprochen, wo es eine anerkannte Minderheitensprache darstellt. Die Wurzeln dieser Sprache liegen innerhalb des westgermanischen Zweigs der indogermanischen Sprachen, da es sich bei Afrikaans um eine Weiterentwicklung des Neuniederländischen, wie es im 17. Jahrhundert in Holland gebräuchlich war. Entsprechend wird es auch als Kapholländisch oder Kolonial Niederländisch bezeichnet.

Die Geschichte von Afrikaans

Bei Afrikaans handelt es sich um die traditionelle Sprache der Buren in Südafrika. Da diese eine vom ehemaligen Mutterland Niederlande abgetrennte Entwicklung nahmen, vollzog sich diese auch im sprachlichen Rahmen. Dies macht Afrikaans zu einer so genannten Ausbausprache. Dieser Fachbegriff bezeichnet Sprachen, in denen einerseits eine hohe Nähe zu Nachbarsprachen besteht, aus denen sie sich entwickelt haben, die aber als Unterart andererseits eine eigenständige Entwicklung genommen was die Etablierung als Sprache der Hochliteratur, Verwaltung, Sachprosa und Wissenschaft betrifft. Eine entsprechende Karriere machte Afrikaans vor allem im Sinne einer Verwaltungssprache. Sie geht auf niederländische Kolonisten zurück. Diese gründeten bereits 1652 Kapstadt als Niederlassung der Niederländischen Ostindien Kompanie und Zwischenstation auf dem Seeweg nach Indien und  andere Teile von Ostasien.
la route maloti en afrique du sud afrikaans
In den folgenden Jahrzehnten ließen sich immer mehr Holländer als so genannte Trekburen (Zugbauern) im engeren und weiteren Umland von Kapstadt nieder. Durch den Kontakt mit dem Volksstamm der Nama, welcher in diesen Gegenden Viehzucht betrieb, kam es zu einer ersten Änderung des von den Buren gesprochenen Niederländisch in Form eines Flexionsabbaus. Um sich den Einheimischen einfacher verständlich zu machen, wurden grammatikalische Formen des Niederländischen nach und nach immer mehr vereinfacht.

Da die Kapkolonie ab 1806 unter britische Verwaltung geriet, kam es innerhalb der Kolonie zu einer fortwährenden sprachlichen Konkurrenz zwischen dem Englischen und Afrikaans. Da es sich beim Englischen um eine Hochsprache handelte, genoss dieses ein wesentlich höheres Ansehen. Außerdem hatte diese Entwicklung zur Folge, dass immer mehr dem Englischen entlehnte Begriffe Eingang ins Afrikaans fanden. Zu dieser Zeit galt Afrikaans noch immer als bloßer niederländischer Dialekt. Dies änderte sich erst, als ab Mitte der Siebzigerjahre des Neunzehnten Jahrhunderts damit begonnen wurde, Wörterbücher und Grammatik Lehrbücher in Afrikaans herauszugeben. Am 5. Mai 1925 wurde schließlich Niederländisch als Staatssprache in Südafrika abgeschafft und stattdessen Afrikaans neben Englisch als Amtssprache manifestiert.

Afrikaans heute

Gesprochen wird Afrikaans insgesamt von knapp sieben Millionen Muttersprachlern. Dies entspricht einer Quote gegenüber der Gesamtbevölkerung von etwa 13,5 Prozent. Hinzu kommen noch einmal knapp sieben Millionen Zweitsprachler sowie zwischen 12 und 16 Millionen zusätzlichen Menschen, die Kenntnisse unterschiedlichen Niveaus in Afrikaans haben. Vornehmlich finden sich die Sprecher im weißen sowie im farbigen Anteil der Bevölkerung. Unter diesen liegt die Quote der Muttersprachler bei den Weißen bei 61 % und bei den Farbigen im Bereich von 76 %. Geographisch betrachtet liegen die Provinzen Südafrikas, in denen die Sprache vorwiegend vorkommt, vor allem in den westlichen Landesteilen am Westkap sowie am Nordkap.
cape of good hope afrikaans
Außerdem wird Afrikans verstärkt in den ehemaligen südafrikanischen Provinzen Transvaal und dem Oranje Freistaat sowie auch in der Provinz Ostkap gesprochen. Besonders hoch ist der Anteil innerhalb und rund um die Städte Kapstadt und Pretoria. Ihren dritten geographischen Schwerpunkt hat die Sprache in Namibia. Mit 200.000 Muttersprachlern erreicht Afrikaans dort im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung von etwa 11 Prozent. Entscheidender aber ist im Falle Namibias die Bedeutung der Sprache als so genannte lingua franca oder auch Verkehrssprache zwischen den verschiedenen Bevölkerungsteilen.

Unterschiede zum Niederländischen

Ein grundlegender Unterschied von Afrikaans zur niederländischen Sprache liegt darin, dass sich bei der in Südafrika beheimateten Unterform die Rechtschreibung wesentlich stärker an der Aussprache der einzelnen Wörter orientiert. So wird etwa im Niederländischen zwischen g und ch unterschieden, während in Südafrika beide Formen zusammengelegt wurden und nur noch das g gebräuchlich ist. Während im Niederländischen die Nacht “nacht” heißt, wird sie in Afrikaans mit “nag” übersetzt. Auch sonst folgt in Südafrika auf Konsonanten in der Regel kein t. Während es im Niederländischen licht für “leicht” oder auch “Licht heißt, wird in Südafrika von lig gesprochen.
overall aerial view of Cape Town
Beibehalten wurden rein graphische Unterscheidungen dagegen in den Fällen y und ei sowie bei den Buchstaben v und f. Stark vereinfacht ist beim Afrikaans außerdem das Beugen von Verben, welches keine unterschiedlichen Endungen für unterschiedliche Fälle kennt. Bei der Konjugation des Verbes “arbeiten” verläuft diese daher wie folgt: ek werk – ich arbeite, jy werk – du arbeitest, hy werk er arbeitet, ons werk – wir arbeiten, julle werk – ihr arbeitet, hulle werk – sie arbeiten. Außerdem gibt es bei Afrikaans mit dem Perfekt nur eine einzige sprachliche Form der Vergangenheit, was ebenfalls zu einer deutlichen Vereinfachung der Sprache beiträgt. Während im Niederländischen der Satzteil “ich arbeitete” im Präteritum mit “ik werkte” übersetzt werden kann, gibt es in Afrikaans nur die Übertragung “ek het gewerk”.

Weitere Unterschiede zur niederländischen Sprache ergeben sich vor allem durch die hohe Zahl von Lehnworten aus anderen Sprachen, die ins Afrikaans vor allem aus der englischen Sprache Eingang gefunden haben.

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